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Publiziert von Michael Sonnleithner am 7. Apr. 2020,

Rabensteins Obmann Hubert Grünbichler
sprach mit der NÖN über die Vorteile einer Ganzjahresmeisterschaft,
über ein Umdenken in der Transferpolitik und gute Nachwuchsarbeit.

NÖN: Seit Montag steht fest, was sich bereits abgezeichnet hat: Bis Ende Juni wird es in Österreich keine Veranstaltungen geben und damit auch keine Fußballspiele. Welche Herausforderungen kommen jetzt auf die Vereine zu?

Hubert Grünbichler: Ich möchte klarstellen, dass das wichtigste jetzt ist, das Virus zu bekämpfen, das zweitwichtigste, dass die Wirtschaft sich wieder entwickelt und alle Arbeit haben. Dann kommt der Fußball. Um auf die Frage zu antworten: Uns brechen jetzt praktisch alle Einnahmen weg, angefangen von den Eintritten und Kantinen-Umsätzen bei den Heimspielen, zu den Ballspenden und Patronanzen, bis zu den Werbetafeln, für die jetzt wohl kaum Geld da sein wird. Finanziell besonders schmerzhaft ist die Absage von Festen – unser Sportlerfest hätte am 20. Mai stattgefunden. Auch der Dirndltalcup im Juli, der dieses Jahr in Rabenstein und Hofstetten stattfinden würde, und der Dirndlkirtag im September – das hängt jetzt alles in der Luft.

Wie werden sich diese finanziellen Einbußen auf den niederösterreichischen Unterhausfußball auswirken?

Grünbichler: Da müssen jetzt viele Klubs gewaltig kürzer treten. Die Vorbereitung haben alle noch absolviert und das hat schon einiges gekostet. Meines Erachtens werden viele Vereine das Handtuch werfen. Wann Legionäre aus den Nachbarländern wieder uneingeschränkt ein- und ausreisen können, weiß man nicht. Und auch nicht, ob für sie überhaupt noch Geld da sein wird. Eines ist klar: Die Spieler werden nicht mehr die Hand aufhalten können wie vorher – das gilt für alle ‚Gastspieler‘, nicht nur für Ausländer. Und wenn diese Spieler weg sind, werden manche Klubs ein Problem haben, eine Reserve zu stellen.

Wird es der SC Rabenstein gut durch die Krise schaffen?

Grünbichler: Wir sind gut aufgestellt, haben bis auf Instandhaltung und Wartung der Anlagen keine Ausgaben mehr und haben Spielern und Trainern früh gesagt, dass alle Leistungen auf Eis gelegt sind – es hat keine Reklamationen gegeben. Unsere Burschen haben Charakter. Ich denke, dass wir den Großteil der Kampfmannschaft beieinander halten können. Wir haben in den letzten Jahren viel in den eigenen Nachwuchs investiert und das macht sich jetzt bezahlt.

Und doch schafft es auch der SCR nicht ohne Legionäre.

Grünbichler: Das war nicht geplant. Wir mussten aktiv werden, weil wir in letzter Zeit viele Spieler mit Kreuzbandrissen und schweren Knieverletzungen verloren haben: Über die Jahre waren das Peter Pfeifer, Markus Grünbichler, Michael Gruber, Daniel Kräftner, Daniel Grünbichler, Matthias Todt, Patrick Springer und Christoph Stiowicek. Gruber und Kräftner hat es insgesamt sogar dreimal erwischt. Todt und Springer sollten im Sommer nach einem Jahr Pause zurückkommen. Das waren alles Stammkräfte und Eigengewächse, die mit dem Verein aufgestiegen sind und jetzt die Qualität für die 2. Landesliga mitbringen. Hätten wir dieses Verletzungspech nicht, wären wir als ein Verein von wenigen vielleicht sogar gestärkt aus der Krise hervorgegangen.

Können Sie sich vorstellen, dass künftig mehr Vereine diesen Weg einschlagen werden?

Grünbichler: Ja. Es muss im Fußball ein Umdenken geben. Eine Krise ist immer auch eine Chance auf einen Neuanfang. Ich hoffe, dass die Klubs sie nützen und wieder mehr das Eigene und die Nachwuchsarbeit forcieren.

Wie soll es mit der angebrochenen Meisterschaft weitergehen?

Grünbichler: Man sollte die Saison nicht annullieren, sondern im Herbst fertigspielen. Die Gelegenheit, auf eine Ganzjahresmeisterschaft umzustellen kommt so schnell nicht wieder.

Die meisten Befragten sind gegen dieses Szenario, auch weil es schwer sein wird, diese Umstellung auf den verschiedenen Ebenen der Fußballligen zu koordinieren. Welche Vorteile sehen Sie darin?

Grünbichler: Ich stelle mir eine Saison mit einem Auftakt Anfang April und einer kurzen Sommerpause von 28. Juni bis 10. August vor.  Aufgrund des späteren Auftakts könnte man die Vorbereitung auf Naturrasen absolvieren. Das kostet weniger und auch die Verletzungsgefahr ist geringer – bezüglich Knieverletzungen hat ja gerade der SCR, wie vorher erwähnt, schon einiges erlebt. In der schönsten Zeit des Jahres hingegen wird zu wenig gespielt. Und außerdem finde ich, dass eine Übertrittszeit pro Jahr, von November bis Jänner, genug ist.

Zur Person: Der Rabensteiner Hubert Grünbichler (52) begann beim SCR im Jahr 2000 als Nachwuchsbetreuer und war unter seinem Vorgänger Willi Gruber Obmann-Stellvertreter. Seit 2012 steht er dem Klub als Obmann vor. Pünktlich zu seinem Amtsantritt stieg die Kampfmannschaft in die 1. Klasse auf, 2015 ging die Reise in der Gebietsliga und 2018 in der 2. Landesliga weiter. In der 73-jährigen Klubgeschichte hatten die „Raben“ aus dem Pielachtal noch nie einen solchen Höhenflug erlebt

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